5 Freunde statt 4G

Hörspiele waren und sind für mich das Größte. Besonders Vertonungen der berühmten Kinderbuchreihen die drei ???, TKKG und 5 Freunde haben mich seit meiner Kindheit begleitet und sind auch heute noch treue Wegbegleiterinnen. Ob beim Aufräumen oder Einschlafen, knifflige Fälle garantieren „Bombenspaß“ (TKKG Folge 112) und sind allemal aufregender als Schäfchenzählen. Diese Begeisterung teile ich sicherlich mit vielen, nur: Was ist eigentlich so faszinierend an Kindern, die Abenteuer erleben? Vor allem, wenn man längst aus den Kinderschuhen herausgewachsen ist, die den entscheidenden Grad an Identifikation ermöglichen würden?

Meiner andauernden Sympathie für diese Erzählungen steht ein nostalgischer Wert voran. Ich kann mich gut an damals erinnern: Voller Spannung vor dem Kassettenrecorder. Ich wäre auch gern Detektivin! Was sind das nur für coole Kids! Kann man dort irgendwie Mitglied werden? Stets schwebte eine gewisse Heiligkeit über dem Trio (Die drei ???), dem Quartett (TKKG) oder dem Quintett (5 Freunde oder wahlweise TKKG plus Hund Oskar). Nostalgie in der Erinnerung an meine Kindheit.

Der Plot der Geschichten ist dabei oftmals ebenso sagenhaft wie absurd und birgt entsprechende Anziehungskräfte. 10 bis 15-jährige Kinder lösen die spannendsten Aufgaben, jagen Verbrecher, setzen Diebinnen fest und bewahren die Welt summa summarum vor größerem Unheil. Während bei den drei ??? besonders Justus Jonas stets sein immenses Wissen zum Besten gibt und so den entscheidenden Turn herbeiführt, vermöbelt Tim in beinahe jeder TKKG-Folge unter noch so widrigen Bedingungen (und mit teilweise fadenscheinigen Begründungen) mindestens einen Ganoven.

Was all diese Geschichten so besonders ausmacht ist die Interaktion ihrer Charaktere: Zusammenhalt, Freude und Leid werden gemeinsam durchlebt, die soziale Bindung zwischen den Kindern ist groß. Nur im Miteinander werden die Personen ausgeformt und erfahren ihre Rollenzuschreibungen. Sie werden so durch die anderen sie selbst. Man kann sich wiederfinden, im zurückhaltenden Peter Shaw (die drei ???), im dicken Klößchen (TKKG) oder in der rebellischen George (5 Freunde). Man will mit dem drahtigen und klugen Karl (TKKG) spannende Rätsel lösen und mit Anne (5 Freunde) Kuchen essen. Das alles ist: Sozialer Kit, Freund:innenschaft, Vielfalt in Gemeinschaft.

Ich frage mich, wie all diese Geschichten heute erzählt würden: Tim, Karl, Gabi und Klöschen (TKKG) sitzen gelangweilt nebeneinander und spielen CandyCrush. Justus, Peter und Bob (die drei ???) zeigen sich gegenseitig ergooglete Bilder auf ihren Smartphones, anstatt die Herausforderung draußen zu suchen. George, Julian, Dick und Anne (5 Freunde) filmen Timmy beim Pinkeln und laden die Videos danach bei YouTube hoch. Das alles ist: Unvorstellbar. Zum Glück.

Deshalb 5 Freunde statt 4G, lass mal rausgehen und gemeinsam was erleben.

von CAG

2 Antworten auf „5 Freunde statt 4G“

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