Warten statt wischen

Deutschland ist zumeist ein kaltes Land. Wer im urbanen Raum an der Bushaltestelle steht, hat keinen Grund mit anderen zu sprechen: Es gibt einen Fahrplan, an den man sich halten kann und die größte Gemeinsamkeit mit anderen Wartenden ist häufig das Raunen darüber, dass der Bus zu spät kommt. Das Warten ist schier unaushaltbar für rationale Bürger:innen, die nichts weiter möchten, als effizient zum nächsten Termin hetzen.

Das Smartphone macht das Warten obsolet. Keine Minute muss mehr damit verbracht werden, sich Umzuschauen, seine Mitmenschen wahrzunehmen oder die Rillen zwischen Pflastersteinen mit der Fußspitze anzustupsen. Die multimediale Welt steht einem offen, der Austausch mit Bekannten aus aller Welt; Facebook-Timelines und Tinder-Potentials. Dabei ist der Blick schräg nach unten gerichtet, und der Daumen wischt fleißig über das Smartphone-Display.

Doch was heißt es, nicht mehr warten zu können? Das Warten hat eine fundamentale Funktion für uns. Es eröffnet einen Raum für unser Ich. Es offenbart einen kleinen, runden Moment, in dem wir über unser Leben sinnieren, herumträumen oder Pläne schmieden dürfen. Ein kleines Zeitfenster, in dem sich manchmal Möglichkeiten offenbaren. Sei es, weil wir etwas zu uns finden und uns einen kleinen Ruhepol errichten, weil wir unsere Gedanken kreisen oder die letzte Woche Revue passieren lassen. Oder sei es, weil wir mit anderen in Kontakt treten und nur ein kleines, nettes Gespräch mit unseren Mitmenschen führen. Das alles: Nicht lange, aber eben bis der Bus kommt.

Wir sollten uns diesen Möglichkeitsraum nicht nehmen lassen, indem wir uns permanent mit Informationen und Unterhaltung zuschütten. Vielmehr sollten wir wieder lernen, wie es eigentlich ist, mal einige Minuten des Wartens auszuhalten. Vor allem gilt es, diese Zeit nicht als verloren zu betrachten, sondern sich bewusst zu machen, dass wir selbst die Meister:innen unserer Lebenswelt sind. Wir sollten diese Zeit ergreifen und sie füllen mit dem, was uns ausmacht: Mit unseren Gedanken, Gefühlen, Plänen & Zielen. Das können wir nur, wenn wir mal abschalten. Verpassen werden wir dabei gewiss nichts.

von CAG

Über Kinder und Smombies…

Es hat auf meine Umgebung einen großen Einfluss, wenn ich ständig auf das Smartphone schaue. In dieser Zeit bin ich für meine Mitmenschen eigentlich nicht da: Ich bin körperlich anwesend, doch im Geiste in der virtuellen Welt, abgelenkt von der Kommunikation mit Menschen, die gerade an einem anderen Ort sind. Es ist eine paradoxe Situation: Ich bin körperlich da, aber nicht präsent. Erwachsene können sich darauf einstellen. Wahrscheinlich führt das bei ihnen dazu, dass sie dann ebenfalls auf ihr Smartphone schauen. Die Folge ist eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam Zeit verbringt, jedoch sich nicht miteinander beschäftigt oder unterhält: Jugendliche auf der Straße, an Bushaltestellen, Freunde in Cafés, Familien in Restaurants.

Aber was ist mit den Kindern? “Über Kinder und Smombies…” weiterlesen

4 Thesen der RASF

Lieben statt liken
Ficken statt Facebook
Emotion statt Emoticon
Kinder statt Tinder

Lieben statt liken

Viele Emotionen sind psychologisch betrachtet die Konsequenzen von evolutionsbiologischen Prozessen. So fühlt es sich für viele Menschen schrecklich an, wenn sie aus einer Gruppe ausgeschlossen werden. In prähistorischer Zeit hat der Ausschluss aus einer Gruppe schließlich den fast sicheren Tod bedeutet. Darüber hinaus war es für den Aufstieg des Homo Sapiens enorm wichtig durch Sprache und Kommunikation in einer Gruppe zu kooperieren. Der Historiker Yuvaal Noah Harrari weißt in seinem Buch “Homo Sapiens” darauf hin, dass während der Industriellen Revolution zwei essentielle Funktionen dieser Gemeinschaften/Familien obsolet wurden. Erstens, wurde die Funktion der Versorgungssicherheit durch die Sozialversicherungen ersetzt und zweitens, wurden wirtschaftliche Möglichkeiten (opportunities) durch den Markt bereitgestellt.

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Time for action

turn your phone off
turn your brain on

read a book
write a letter
take a walk
do something new

pick flowers
plant trees
see birds
and the bees

visit family
make new friends

climb
swim
bike
run

dont post
dont tweet
dont gram
dont pin

just coast
go eat
spit rap
drink gin

open your eyes
stand the fuck up
time for action
RASF

 

by Chris Comparey