{"id":486,"date":"2016-10-27T10:30:00","date_gmt":"2016-10-27T09:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rasf.eu\/?p=486"},"modified":"2026-04-04T07:00:44","modified_gmt":"2026-04-04T06:00:44","slug":"regulate-big-tech-stop-digital-dystopia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rasf.eu\/?p=486&lang=de","title":{"rendered":"Stop Digital Dystopia!"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Das ist die englische Version des Artikels \u201eRegulate Big Tech! Stop Digital Dystopia!&#8220;, der am 14. Februar 2026 ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"788\" height=\"504\" src=\"https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/grafik-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-634\" srcset=\"https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/grafik-1.png 788w, https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/grafik-1-300x192.png 300w, https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/grafik-1-768x491.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Inflationsbereinigte Preise (2025 = 100), Quelle: traderfox.com und aktionaer.de<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die deutsche Wirtschaft seit 6 Jahren real stagniert, steigern die digitalen Plattformen ihre Gewinne seit Jahren in zuvor ungekannte H\u00f6hen. Allein Googles Muttergesellschaft Alphabet machte im abgelaufenen Jahr 125 Milliarden Dollar Gewinn, ungef\u00e4hr genauso viel wie alle DAX-Konzerne zusammen. Die Vormachtstellung der digitalen Plattformen bleibt nicht ohne Folgen. Aufgrund ihrer Monopole in den jeweiligen M\u00e4rkten, die sie durch aggressive Strategien verteidigen, bereichern sie sich an Firmenkunden und Verbrauchern. Sie nutzen ihre technologischen Hebel, um \u00fcberh\u00f6hte Preise f\u00fcr ihre Services und Produkte zu verlangen. Die wachsende \u00f6konomische Unzufriedenheit in der Bev\u00f6lkerung n\u00e4hrt das Ressentiment und f\u00fchrt schlie\u00dflich zur Krise der Demokratie und dem Aufstieg autorit\u00e4rer Herrschaft, die sich auf die zunehmende Konzentration von Macht in Wirtschaft und Gesellschaft st\u00fctzt. Dieses Essay analysiert die Lage aus einer \u00f6konomischen Perspektive und diskutiert Handlungsoptionen zur Sicherung der digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Monopoly<\/h2>\n\n\n\n<p>Amazons Aufstieg zur dominierenden Kraft im Onlinehandel folgte einem geradlinigen Plan. Lange machte der Konzern keine nennenswerten Gewinne, sondern finanzierte sein Wachstum \u00fcber dauerhaft niedrige Preise und quersubventionierte damit die eigenen Dienste. Auch die H\u00e4ndler profitierten lange: Die Plattform bot Services, die besonders unabh\u00e4ngigen Gesch\u00e4ftsleuten neue Chancen und Reichweite er\u00f6ffneten.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Euphorie war nicht von Dauer. 2025 erzielte Amazon rund 75 Milliarden Dollar Gewinn. In den vergangenen Jahren wurden die Geb\u00fchren f\u00fcr H\u00e4ndler massiv angehoben, und wer in der Suche sichtbar bleiben will, muss teure Werbung buchen. L\u00e4uft ein Produkt besonders gut, bringt Amazon kurzerhand eine eigene, g\u00fcnstigere Variante auf den Markt. Weil der Konzern jede Bewegung auf der Plattform beobachten kann, f\u00e4llt es ihm leicht, diese Marktmacht auszuspielen und zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Praktiken stehen unter Beobachtung verschiedener Wettbewerbsbeh\u00f6rden. So haben etwa in Gro\u00dfbritannien bereits Handelsverb\u00e4nde Schadensersatzklagen eingereicht, allerdings ziehen sich die entsprechenden Verfahren teils \u00fcber mehrere Jahre hin. Die H\u00e4ndler sind Amazons Methoden deshalb weitgehend schutzlos ausgeliefert. Aufgrund von 20 Millionen Prime-Konten in Deutschland ist der Wechsel auf andere Handels-Plattformen f\u00fcr viele schmerzhafter als der Verbleib im Amazon-\u00d6kosystem.<\/p>\n\n\n\n<p>Google wiederum verdient einen Gro\u00dfteil seiner Einnahmen mit Werbung. Mehrere Gesch\u00e4ftspraktiken wurden bereits gerichtlich beanstandet. So zahlt Google j\u00e4hrlich etwa 20 Milliarden Dollar, um auf Apple-Ger\u00e4ten als Standardsuchmaschine voreingestellt zu sein. Zudem nutzt das Unternehmen seine Rolle als Plattform, um die eigene Produktsuche (Google Shopping) gegen\u00fcber Wettbewerbern zu bevorzugen. W\u00e4hrenddessen sinkt die Qualit\u00e4t der Suche stetig; zwischen Anzeigen und gesponserten Treffern verliert man leicht den \u00dcberblick, welche Links \u00fcberhaupt noch \u201enormal\u201c sind. Der wirtschaftliche Wert dieser Monopolstellung: Allein der Gewinn mit seiner Suchmaschine im letzten Jahr wurde auf rund 70 Milliarden Dollar gesch\u00e4tzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Meta sicherte seine Marktmacht vor allem durch aggressive Zuk\u00e4ufe: rund 1 Milliarde Dollar f\u00fcr Instagram im Jahr 2012 und 2014 etwa 19 Milliarden Dollar f\u00fcr WhatsApp. Im Gegenzug treffen Nutzer auf Designs, die maximal s\u00fcchtig machen sollen \u2013 mit Folgen, die gerade bei jungen Menschen die psychische Gesundheit belasten. Dazu kommen Heerscharen von Betr\u00fcgern, die \u00fcber zweifelhafte Krypto-Maschen leichtgl\u00e4ubige Anleger um ihr Geld bringen und Bot-Armeen, die mit Falschinformation unser politisches System destabilisieren. Metas Jahresgewinn liegt momentan bei etwa 60 Milliarden Dollar.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Beh\u00f6rden und Unternehmen sind inzwischen stark von Microsoft abh\u00e4ngig. Der Konzern verkauft nicht nur B\u00fcrosoftware, sondern ein komplettes \u00d6kosystem. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen k\u00f6nnen nur schwer wechseln: Microsoft erzeugt einen Lock-in-Effekt, der dem Unternehmen erhebliche Preissetzungsmacht verschafft. Zus\u00e4tzlich wird f\u00fcr \u00e4ltere Produkte h\u00e4ufig der Support eingestellt, um Firmen zum Wechsel auf neuere Produkte zu zwingen. Jahresgewinn im abgelaufenen Jahr: 100 Milliarden Dollar.<\/p>\n\n\n\n<p>Apple hat diese Logik noch weiter verfeinert. Das Konzept hei\u00dft \u201eWalled Garden\u201c: ein geschlossenes, eng verzahntes \u00d6kosystem, das durch Markenloyalit\u00e4t und einen fast religi\u00f6sen Konsumfetisch stabilisiert wird \u2013 und Jahr f\u00fcr Jahr noch mehr Profit abwirft. Letztes Jahr waren es 112 Milliarden Dollar.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Extraktion<\/h2>\n\n\n\n<p>Nachdem die digitalen Plattformen ihre Monopole abgesichert hatten, begann die zweite Phase ihrer Strategie: Extraktion. Extraktion bedeutet, dass die Plattformen langsam und graduell ihre Preise erh\u00f6hen, und gleichzeitig ihre Services schlechter werden. F\u00fcr Firmen und Gesch\u00e4ftsleute \u00e4u\u00dferst sich das in h\u00f6heren Geb\u00fchren f\u00fcr Werbung bei Google, Amazon und Meta, steigenden Geb\u00fchren in Apples App Store sowie in steigenden Kosten f\u00fcr IT-Infrastruktur und Endger\u00e4te. Konsumenten bezahlen direkt mit ihren Daten und ihrer Aufmerksamkeit, doch auch sie leiden unter erh\u00f6hten Preisen, weil viele Firmen die zus\u00e4tzlichen Belastungen an ihre Kundschaft weiterreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem verschlechtern sich die Services, etwa indem Werbung deutlich zunimmt (Google, Meta, Amazon) oder sp\u00fcrbare technische Neuerungen ausbleiben (wie h\u00e4ufig bei Apple). F\u00fcr Konsumenten und Firmen sind diese Praktiken oft schwer zu durchschauen, und selbst wenn man sie bemerkt, fehlen oft echte Ausweichm\u00f6glichkeiten. Denn die Plattformen verf\u00fcgen \u00fcber eine Vielzahl fein justierter Hebel, mit denen sie Nutzerinnen und Nutzer auf ihren Angeboten halten. Das Machtgef\u00e4lle ist enorm: Die Unternehmen besitzen die Daten und haben mit ihren Apps regelrechte Maschinen geschaffen, die sich zur Manipulation bequem einsetzen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Folge  tr\u00e4gt die Dominanz der digitalen Plattformen dazu bei, dass sich in den vergangenen Jahren die \u00f6konomische Entwicklung der USA und Europas auseinanderbewegt hat: W\u00e4hrend die US-Wirtschaft robust w\u00e4chst, wirkt Europas Wirtschaft zunehmend schwach. Besonders deutlich zeigt sich diese Divergenz in den Produktivit\u00e4tsstatistiken.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"954\" height=\"573\" src=\"https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/grafik-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-488\" srcset=\"https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/grafik-1.png 954w, https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/grafik-1-300x180.png 300w, https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/grafik-1-768x461.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kaufkraft- und inflationsbereinigte Preise (2020 = 100)<br>Quelle: OECD<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zwischen 2012 und 2017 entwickelte sich die Produktivit\u00e4t, gemessen als BIP pro geleistete Arbeitsstunde, in den USA und der Eurozone zun\u00e4chst weitgehend parallel. Ab 2018, also genau in dem Moment, in dem die Gewinne der digitalen Plattformen sp\u00fcrbar anziehen, flacht die Produktivit\u00e4tskurve in der Eurozone jedoch deutlich ab. W\u00e4hrend die Wertsch\u00f6pfung pro Arbeitsstunde in Europa seit einigen Jahren stagniert, steigt sie in den USA kontinuierlich weiter. Ein wesentlicher Grund daf\u00fcr ist, dass die digitalen Plattformen ihre Gewinne Jahr f\u00fcr Jahr erh\u00f6hen und damit stark zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in den USA beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nicht nur zwischen den L\u00e4ndern, sondern auch innerhalb der Gesellschaft kommt es durch diese Entwicklung zu einer Spaltung. Auf der einen Seite stehen jene, die profitieren: Ingenieurinnen und Ingenieure mit gefragten technischen F\u00e4higkeiten sowie eine professionelle Klasse aus Beratern, Anw\u00e4lten und Unternehmern, die rasch in hohe, oft sechsstellige Gehaltsregionen vorsto\u00dfen. Hinzu kommen Aktienbesitzer, die an der Entwicklung der digitalen Plattformen partizipieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die die Kosten tragen: Menschen, die Arbeitspl\u00e4tze und \u00f6konomische Selbstst\u00e4ndigkeit verlieren oder unter steigenden Preisen leiden. Dazu geh\u00f6ren Handwerker und andere Selbstst\u00e4ndige, die auf Werbung bei Meta oder Google angewiesen sind oder ihre Produkte \u00fcber Amazon verkaufen. Ebenso betroffen sind Besch\u00e4ftigte in prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen, besonders in kreativen Branchen, denen durch wegbrechende Werbeeinnahmen die Grundlage entzogen wird, etwa dem Kulturbetrieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt, dass gerade Menschen besonders stark getroffen werden, die aufgrund ohnehin schwieriger Lebensumst\u00e4nde kaum M\u00f6glichkeiten haben, sich gegen die Praktiken der digitalen Plattformen zu wehren. Denn daf\u00fcr braucht es Bildung, Zeit und finanzielle Ressourcen \u2013 genau das, was vielen von Armut betroffenen Menschen meist fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in den USA selbst bleiben die Menschen von dieser bedenklichen Entwicklung nicht verschont. W\u00e4hrend an der Wall Street und im Silicon Valley die Gewinne sprudeln, zerbrechen andernorts Familien, und Menschen fliehen in die Sucht oder in H\u00e4nde von Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen und Online-Sekten. Ein Ende ist nicht in Sicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weg in die Knechtschaft<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"953\" height=\"490\" src=\"https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/grafik-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-489\" srcset=\"https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/grafik-2.png 953w, https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/grafik-2-300x154.png 300w, https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/grafik-2-768x395.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: University of Michigan, The Index of Consumer Sentiment<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenn der Siegeszug der digitalen Plattformen eine technische Revolution war, dann war dies eine der freudlosesten Revolutionen, die es je gab. Nach einem Hoch in den Zehnerjahren sank die Verbraucherstimmung in den USA aufgrund der Schockwellen der Coronapandemie, der darauffolgenden Inflation sowie des russischen Angriffskrieges auf ein historisches Tief von 50 Punkten im Juni 2022 (der Consumerindex der Universit\u00e4t Michigan existiert seit 1978). Im M\u00e4rz 2024 erholte sich die Stimmung auf einen Indexwert von 79,4 Punkten, doch seitdem geht es wieder bergab hin zu einem Stand von 53,6 Punkten im Oktober 2025.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Wahl Donald Trumps kurzfristig noch zu einem aufhellen der Verbraucherstimmung beitrug (74 Indexpunkte Dezember 2024), so stellte sich nach seiner Inauguration schnell Ern\u00fcchterung ein (52,2 im April 2025 nach Ank\u00fcndigung der Zollpolitik). Zwar erholte sich die Stimmung im Sommer als klar wurde, dass die Zollpolitik nur in abgeschw\u00e4chter Form durchgesetzt wird und viele Firmen nur z\u00f6gerlich die Preise steigerten. Doch mittlerweile ist sie wieder nah an ihrem historischen Tief angekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der wichtigste Faktor f\u00fcr die schlechte Verbraucherstimmung sind sicherlich die weiterhin steigenden Preise und Zukunftssorgen aufgrund einer unsicheren Weltlage. Doch auch die Entwicklungen rund um die k\u00fcnstliche Intelligenz spielen eine Rolle. \u00dcberwiegten nach dem Release von ChatGPT im Herbst 2022 noch Vorfreude und die Hoffnung auf neu gemischte Karten, so hat sich die Stimmung mittlerweile gedreht und mehr Menschen, bef\u00fcrchten Arbeitsplatzverluste oder durch die Maschinen ersetzt zu werden. KI hatte das Potenzial, bestehende Machtbl\u00f6cke aufzubrechen \u2013 stattdessen droht sie nun eher, die Marktmacht der Plattformen weiter zu befestigen. Hinzu kommen Bef\u00fcrchtungen \u00fcber eine gigantische KI-Investitionsblase, die den Rest der Wirtschaft mit in den Abgrund reist.<\/p>\n\n\n\n<p>Angst macht sich breit und diese Angst erzeugt Ressentiment, die sich gegen eine herrschende Elite richtet, die nicht mehr die eigenen Interessen vertritt, da haupts\u00e4chlich die digitalen Plattformen und ihre Partner vom bestehenden System profitieren. In den USA hat das Ressentiment den Aufstieg Donald Trumps beg\u00fcnstigt, der nun systematisch regulatorische H\u00fcrden f\u00fcr die digitalen Plattformen abbaut. Die Wettbewerbsh\u00fcter agieren dabei auffallend zur\u00fcckhaltend, und Fusionen sowie \u00dcbernahmen erreichen erneut Rekordniveau. Wird diese Entwicklung nicht konsequent kontrolliert, drohen eine weiter zunehmende Marktkonzentration und in der Folge steigende Preise. Zudem zeigt sich mancherorts eine kaum verdeckte Form von Korruption: Unternehmen sichern sich Zustimmung zu Fusionen etwa durch Spenden f\u00fcr Bauvorhaben wie einen neuen Ballsaal im Wei\u00dfen Haus oder indem sie bekannte Late Night Show Hosts wie Stephen Colbert und Jimmy Kimmel feuern.<\/p>\n\n\n\n<p> Als Folge der zunehmenden Marktkonzentration zieht seit Jahren ein globaler Sturm herauf, der nun auch Europa zu erfassen droht. Rechtsextreme Parteien gewinnen an Einfluss und gelangen an die Macht, w\u00e4hrend die Demokraten aufgrund ver\u00e4nderter Mehrheitsverh\u00e4ltnisse im Parlament nicht l\u00e4nger in der Lage sind, die politischen Herausforderungen zu bew\u00e4ltigen. Angesichts der internationalen Lage und des Drucks autokratischer Machthaber von au\u00dfen setzt eine Dysfunktion des politischen Systems ein, die kaum noch zu \u00fcberwinden scheint. Es droht der Aufstieg autorit\u00e4rer F\u00fchrungsfiguren, die im B\u00fcndnis mit den digitalen Plattformen zudem die F\u00e4higkeit h\u00e4tten, einen digitalen \u00dcberwachungsstaat zu etablieren und zu steuern. Welcome to Digital Dystopia.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Auswege aus der Krise<\/h2>\n\n\n\n<p>Plattformen haben die Geschichte des globalen Kapitalismus gepr\u00e4gt wie kaum eine andere Institution. Die griechische Agora, der orientalische Basar, die aztekische Tianguis oder die M\u00e4rkte Chinas f\u00fchrten Angebot und Nachfrage zusammen und schufen durch verbindliche Regeln eine \u00f6konomische Balance, die wesentlich zum Aufstieg ihrer jeweiligen Hochkulturen beitrug. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch am Ende der 1990er Jahre herrschte ein nahezu grenzenloser Optimismus gegen\u00fcber dem Internet. Es galt als Motor eines neuen goldenen Zeitalters, das Freiheit, Wohlstand und Demokratie f\u00f6rdern w\u00fcrde. Diese Hoffnungen haben sich jedoch nicht erf\u00fcllt. An die Stelle von Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit sind monopolistische Plattformstrukturen getreten, und statt einer St\u00e4rkung demokratischer Prozesse ist weltweit ein Erstarken autokratischer Tendenzen zu beobachten. Dar\u00fcber hinaus f\u00f6rdern die Gesch\u00e4ftsmodelle vieler digitaler Plattformen s\u00fcchtig machende Anwendungen, die mit einem Anstieg psychischer Erkrankungen einhergehen und zu einem besorgniserregenden Verlust grundlegender Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen beitragen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"934\" height=\"562\" src=\"https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/grafik-3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-490\" srcset=\"https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/grafik-3.png 934w, https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/grafik-3-300x181.png 300w, https:\/\/rasf.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/grafik-3-768x462.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: National Center for Education Statistics<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine zukunftsorientierte Perspektive erfordert daher, Plattformen erneut in den Mittelpunkt zu r\u00fccken und sie im Geiste ihrer antiken Vorbilder zu regulieren. Konkret bedeutet dies, dass Plattformbetreiber keine eigenen Marktst\u00e4nde auf ihren Marktpl\u00e4tzen betreiben d\u00fcrfen \u2013 oder dass hierf\u00fcr zumindest klar definierte und streng regulierte Bedingungen gelten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie andere moderne Plattformm\u00e4rkte und Netzinfrastrukturen, etwa in der Telekommunikation, sollten auch digitale Plattformen verbindlichen und transparenten Regeln unterliegen. Erste Schritte in diese Richtung existieren bereits: Der Digital Markets Act der Europ\u00e4ischen Union zielt auf eine wirksame Wettbewerbsregulierung gro\u00dfer Plattformen ab, w\u00e4hrend der Digital Services Act Plattformen unter anderem zur Eind\u00e4mmung von Propaganda und sch\u00e4dlichen Inhalten verpflichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die konsequente Umsetzung dieser Regeln wird jedoch massiv durch die US-Administration behindert. Auch zus\u00e4tzliche Konkurrenz durch chinesische Plattformen bietet keine L\u00f6sung, da wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeiten von China bereits heute politisch instrumentalisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t Europas geh\u00f6rt daher, sich nicht l\u00e4nger von anderen Machtbl\u00f6cken erpressbar zu machen. Dies schlie\u00dft den Aufbau eigener sicherheits- und verteidigungspolitischer F\u00e4higkeiten ebenso ein wie die Diversifizierung globaler Lieferketten und die Reduktion einseitiger Importabh\u00e4ngigkeiten von China. Zugleich muss Europa \u2013 wie bereits im Draghi-Report kritisiert \u2013 wieder wettbewerbsf\u00e4higer und innovationsst\u00e4rker werden. Zentral daf\u00fcr ist die \u00dcberwindung der wirtschaftlichen Fragmentierung innerhalb Europas durch offene M\u00e4rkte und den Abbau innerer Handelshemmnisse sowie einen integrierten Kapitalmarkt, um europ\u00e4ische Innovationen besser zu skalieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist ein grundlegendes Umdenken in europ\u00e4ischen Unternehmen und Verwaltungen erforderlich. Statt sich reflexartig auf B\u00fcrosoftware von Microsoft oder Google zu st\u00fctzen, sollten gezielt auch die Angebote europ\u00e4ischer Anbieter sowie Open-Source Anwendungen gepr\u00fcft und konsequent genutzt werden. Dies w\u00fcrde nicht nur die digitale Souver\u00e4nit\u00e4t st\u00e4rken, sondern auch Innovation und Wettbewerb innerhalb Europas f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund der technologischen und geopolitischen Entwicklung treibt die Menschheit auf einen Wasserfall zu. Wir wissen, dass sich alles \u00e4ndern wird, doch wir wissen noch nicht wie. Entweder wir arbeiten an einer planetaren Weltordnung, die auf einer fein abgestimmten Machtbalance beruht und die Souver\u00e4nit\u00e4t der einzelnen Weltregionen respektiert, sodass kulturelle Vielfalt weiterhin bestehen und gedeihen kann. Oder aber wir geraten in ein neues imperiales System, in dem Gro\u00dfm\u00e4chte andere Weltregionen wie Kolonien behandeln, sie \u00fcber digitale Plattformen ausbeuten und systematisch Werte absch\u00f6pfen. Es liegt an uns, den Weg in diese digitale Dystopie zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Von Benno Fl\u00fcgel<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die englische Version des Artikels \u201eRegulate Big Tech! Stop Digital Dystopia!&#8220;, der am 14. Februar 2026 ver\u00f6ffentlicht wurde. W\u00e4hrend die deutsche Wirtschaft seit 6 Jahren real stagniert, steigern die digitalen Plattformen ihre Gewinne seit Jahren in zuvor ungekannte H\u00f6hen. Allein Googles Muttergesellschaft Alphabet machte im abgelaufenen Jahr 125 Milliarden Dollar Gewinn, ungef\u00e4hr genauso &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/rasf.eu\/?p=486&#038;lang=de\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eStop Digital Dystopia!\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-486","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rasf.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/486","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rasf.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rasf.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rasf.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rasf.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=486"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/rasf.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/486\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":794,"href":"https:\/\/rasf.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/486\/revisions\/794"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rasf.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=486"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rasf.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=486"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rasf.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=486"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}