Warum es keine einfache Lösung gibt

Wer die bisherige Diagnose ernst nimmt, hat schon erkannt, dass es keine einfache Antwort auf die Polykrise geben kann. Die Krise ist nicht ein einzelnes Problem, das gelöst werden müsste. Sie ist eine strukturelle Verschiebung der gesamten gesellschaftlichen Architektur. Was es braucht, ist nicht ein einzelner Hebel, sondern eine geduldige Wiederherstellung der Bedingungen, unter denen funktionale Differenzierung möglich bleibt.

Luhmann selbst war skeptisch gegenüber gezielten Interventionen in soziale Systeme. Er hat in mehreren Texten betont, dass Systeme autopoietisch sind und sich nur selbst steuern können. Externe Eingriffe scheitern meist, weil das System sie nach eigenen Regeln umdeutet. Wer der Politik mehr Effizienz verordnen will, wird beobachten, dass die Politik diese Forderung in ihre eigene Logik umsetzt – als parteipolitische Auseinandersetzung, als Wahlkampfthema, als mediale Inszenierung. Was als Reformwille gemeint war, wird zum Element des politischen Spiels selbst.

Das macht die Frage nach der Antithese schwierig. Sie kann nicht in dem Sinn beantwortet werden, dass jemand einen Plan vorlegt, dessen Umsetzung das Problem löst. Solche Pläne hat es genug gegeben. Sie sind alle gescheitert oder haben unerwartete Nebenwirkungen produziert. Was es braucht, ist eine Haltung, die in mehreren Systemen gleichzeitig wirkt, ohne in einem aufzugehen, und die dort jeweils die Codierungsdominanz zurückweist.

Diese Haltung lässt sich aus dem luhmannschen Werk ableiten, auch wenn Luhmann selbst sie nie explizit formuliert hat. Sie besteht aus drei Elementen, die zusammen das ergeben, was wir als luhmannsche Antithese zur Codierungsdominanz verstehen können. Diese drei Elemente sind nicht originell. Sie finden sich in verschiedenen Bereichen in Ansätzen schon. Was originell ist, ist ihre systematische Verbindung zu einer Architektur, die genau auf die Probleme antwortet, die wir diagnostiziert haben.

Dies ist ein Auszug aus Benno Flügels neuem Sachbuch Empire of Art, Love and Science – Theorie der Systeme. Mehr Infos zum Buch: https://bennofluegel.de/buecher/